Sam - 1/7/2010 um 18:47
Hallo zusammen,
ich weiß jetzt schon, dass mich einige von Euch für meine Gefühle
verurteilen werden. Aber ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Ich lebe mit einem Mann zusammen, der zwei Töchter aus erster Ehe hat (11
und 18 J.). Ich verstehe mich gut mit ihnen, sie haben mich auch soweit
akzeptiert. Sie sind jedes zweite Wochenende und einen Teil der Ferien bei
uns. Was mit nur so unglaublich viel Schwierigkeiten bereitet, ist, meine
Mann mit ihnen zu teilen. Ich kann es kaum ertragen, wenn auch nur ein
bißchen Nähe zwischen ihnen entsteht. Ganz schlimm ist es bei der jüngeren
Tochter. Er muß sie nur in den Arm nehmen und mir schnürt es schon den
Magen zusammen. Ganz auszudenken ein Kuscheln auf der Couch oder so. Auch
dass er ihr versprochen hat, mal was alleine mit ihr zu unternehmen, hat
mich schon etliche Tränen gekostet. Ich weiß, dass das absolut unangebracht
ist und auch nicht fair. Aber ich weiß auch nicht, wie ich dagegen ankommen
kann. Es belastet unsere Beziehung schon sehr.
Ist hier irgend jemand, der meine Gefühle versteht, vielleicht auch schon
mal hatte?
Danke für Eure Antworten,
Sam
Admina - 1/7/2010 um 19:09
Hallo Sam,
herzlich willkommen
Du schreibst es ja selbst, dass Eifersucht auf die Kinder des Partners eine
unangebrachte Reaktion ist. Trotzdem ist sie bei Dir erst mal da und ich
kann mir schon vorstellen, dass Du da selbst auch darunter leidest.
Was denkst Du, was der Grund für die Eifersucht sein könnte? Kann es sein,
dass Du in Dir die Vorstellung hast, dass Dein Mann durch seine Kinder
immer wieder an seine Ex erinnert wird und er mit seiner Liebe zu diesen
Kindern sowas wie ein "ewiges Band" mit ihr hat und Du ausgeschlossen bist?
Sam - 1/7/2010 um 19:19
Hallo Susa,
danke für Dein Willkommen!
Ich weiß selber nicht so genau, woher diese Eifersucht kommt. Sicherlich,
ich weiß, dass dieses Kind aus der Liebe zw. meinem Mann und einer anderen
Frau entstanden ist. Und die Kleine sieht Ihrer Mutter auch sehr ähnlich
(meinem Mann aber auch). Und ich konnte es leider nie erleben, schwanger zu
sein und ein Kind zu haben. Aber ob das der Grund für diese Eifersucht ist?
Ich weiß es nicht. Bei der größeren Tochter habe ich dieses Problem ja auch
nicht so stark. Vielleicht habe ich tief in meinem Inneren auch die Angst,
dass mein Mann mir nie eine so starke Liebe entgegenbringen kann wie seiner
Tochter. Obwohl mir schon klar ist, dass das eigentlich zwei verschiedene
Paar Schuhe sind. Ich bin selber sehr verzweifelt. Ein richtig entspanntes
Zusammensein ist sehr schwer geworden. Sobald ich nur den kleinsten
Körperkontakt zw. den beiden sehe, dreht bei mir irgendwie eine Sicherung
durch und ich fahre meine Schutzmauer hoch. Was soll ich nur tun?
LG,
Sam
Admina - 2/7/2010 um 06:39
Hallo Sam,
warum denkst Du, dass Dein Mann Dich nicht genug lieben könnte?
Hast Du schon mal daran gedacht, zu einer Beratungsstelle oder zu einem
Psychologen zu gehen? Ich denke, dass Du dort mal alles aufdröseln
könntest. In einem Forum ist das ein wenig schwierig.
Was aber nicht heissen soll, dass Du hier nicht mehr schreiben sollst 
Smiley33 - 2/7/2010 um 08:01
Hi Sam,
auch von mir herzlich willkommen
Mir geht es genau so wie Dir. Mein Mann hat auch 2 Töchter, die inzwischen
18 und 20 Jahre alt sind. Wir sind inzwischen auch schon seit 17 Jahren
zusammen, mit zwei eigenen Kindern. Und trotzdem kriege ich auch meine
Eifersucht was seine Töchter angeht immer noch nur ganz, ganz schwer in den
Griff, bis heute. Es ist so schlimm, dass es uns manchmal an den Rand der
Trennung bringt, obwohl wir uns ansonsten eigentlich supergut verstehen und
gut zusammenpassen. Dadurch, dass ich auch eher die Schutzmauern hochfahre,
wenn die Mädels kommen und mich zurückziehe, wird die Stimmung dann auch
immer recht sonderbar und unsere Beziehung ist ziemlich krampfig. Obwohl es
echt tolle Mädels sind. Meinen Mann verletzt dieser Rückzug sehr; er
wünscht sich natürlich dass all seine Liebsten sich verstehen.
Wenn Du mit Deinem Liebsten weiter zusammenbleiben und glücklich sein
willst, wirst Du irgendetwas tun müssen mit diesen Gefühlen. Ich bin
wahrscheinlich ganz die Falsche um Ratschläge zu geben. Was mir aber schon
sehr geholfen hat war eine Therapie, wo ich mir mal genauer angeguckt habe,
woher diese Gefühle kommen und gemerkt habe, wie sehr sie vom "verletzten
Kind" in mir kommen, wie unerwachsen sie eigentlich sind und der realen
Situation gar nicht angemessen. Deshalb sind diese Gefühle jetzt nicht weg,
aber ich hab schon gelernt, mich von ihnen nicht so wegspülen zu lassen,
mehr an die Erwachsene in mir zu appellieren. Klappt mal besser und mal
schlechter. Aber Hilfe von Außen hat bei mir einiges bewirkt.
Liebe Grüße
Smiley
Admina - 2/7/2010 um 12:21
Hallo,
Eifersucht hat immer mit einem selbst etwas zu tun und kommt nicht vom
auslösenden "Objekt". Meistens stecken Selbstzweifel und Besitzdenken
dahinter, die jemandem das Gefühl geben, die uneingeschränkte Liebe und
ständige Aufmerksamkeit des Partners zu brauchen. Viele fühlen sich
minderwertig, unattraktiv etc. und leben in der Angst, sie könnten nicht
gut genug für den Partner sein.
Eifersucht ist immer ein Zeichen dafür, dass man an sich selbst zweifelt
und dadurch dann auch nicht mehr der Liebe des Partners vertraut. Man hat
Angst, man könnte ihn verlieren bzw. er könnte jemand anderen mehr lieben,
besser finden usw.
Der wichtigste Schutz vor Eifersucht ist Selbstvertrauen: wer an sich
glaubt und zu seinen Schwächen steht ist eher vor Eifersucht gewappnet. Man
sollte lernen, dass die Meinung anderer nicht so sehr wichtig ist und
seinen Selbstwert nicht daran messen, wie gut man bei anderen ankommt,
sondern selbst aus sich heraus für seine eigene Zufriedenheit sorgen.
Auch sollte man sich ganz bewusst machen, dass die Eifersucht das eigene,
persönliche Problem ist und rein gar nichts mit dem Kind oder dem Partner
zu tun hat. Nicht die anderen müssen etwas tun, sondern man ist selbst
gefragt, sein Selbstbewusstsein aufzupolieren und zu lernen, sich so zu
lieben, wie man ist. Mit allen Ecken und Kanten. Nur wer sich selbst liebt,
kann sich auch vorstellen, dass der Partner einen liebenswert und toll
findet.
Ein wenig Eifersucht ist normal, denke ich. Aber wenn man auf seine Kinder
eifersüchtig ist, dann ist das doch schon sehr belastend.
Anais - 2/7/2010 um 16:02
Hallo Sam,
ich frage mich, wovor Du Angst hast, wenn Du siehst und spürst wie Partner
seine Töchter liebt. Welches "Kopfkino" läuft da bei Dir ab? Was passiert
im schlimmsten Fall, wenn Du akzeptieren würdest oder könntest, dass Dein
Partner nicht nur Dich liebt?
Liebe Grüße
Anais
Sam - 3/7/2010 um 10:45
Ja, Ihr habt ja alle Recht. Ich kann es ja auch nicht begründen und ich
weiß, dass es nicht in Ordnung ist. Ich habe auch allen Beteiligten
gegenüber ein schlechtes Gewissen, und das ist noch schwach ausgedrückt.
Aber es ist dennoch schwierig, dagegen anzukommen.
Therapie - ja, würde vielleicht helfen. Aber es ist nicht einfach, einen
guten Therapeuten zu finden, der noch freie Plätze hat.
Mir ist schon klar, dass das alles eigentlich nichts mit den anderen zu tun
hat, sondern nur mit mir selbst und sicherlich auch mit meinem eigenen
Selbstwertgefühl.
Admina - 4/7/2010 um 20:16
Hi Sam,
wenn Du selbst meinst, dass Dir eine Therapie helfen würde, dann würde es
doch Sinn machen, dass Du dieses Thema angehst. Du wirst nicht sofort einen
freien Platz ergattern, das ist schon klar - aber es besteht ja nun auch
keine akute Gefahr im Verzug. Je früher du die Sache anleierst, um so
schneller kommst Du in den Genuss einer Therapie.
Bis dahin kannst Du es vielleicht mit Selbstsuggestion versuchen: sobald
Dein Kopfkino loslegt, sagst Du Dir, dass das nichts mit der Realität zu
tun hat und "befiehlst" Dir, ruhig zu bleiben. Sage Dir immer wieder, dass
es vollkommen normal ist, dass man mit seinen Kindern kuschelt und dass
Eifersucht und Angst unangebracht sind. Halte Dir immer wieder vor Augen,
dass Deine Eifersucht ein Phantasiegebilde ist und nur durch Dein eigenes
Misstrauen entsteht. Wenn Du das immer wieder machst, ändert sich auch
Deine innere Einstellung. Natürlich nicht von jetzt auf nachher, aber Du
kannst darauf vertrauen, dass Du mit Selbstsuggestion Deine Einstellung
ändern kannst!
Darum solltest Du Dir auch immer wieder sagen, dass Du ein liebenswerter
Mensch bist, dass Dein Mann Dich liebt und dass seine Kinder in keiner
Weise irgendeine Bedrohung für Dich oder Deine Beziehung darstellen.
Vielleicht helfen Dir diese Tipps ja schon mal.
Sam - 5/7/2010 um 08:23
Vielen Dank für Eure Antworten, v.a. auch Dir, Susa.
Ich werde versuchen, Deine Tipps mal umzusetzen. Vielleicht macht das es
erst mal einfacher.
Liebe Grüße,
Sam
Admina - 5/7/2010 um 10:01
Hallo Sam,
Du schaffst das bestimmt, Du musst nur an Dich glauben!
Alles Gute!
Lilika - 12/7/2010 um 11:59
Hi Sam,
ich frage mich, ob du nicht doch eine art antwort dir selbst gegeben hast,
indem du schreibst, dass du leider keine schwangerschaft/mutterschaft
erleben durftest. dann frage ich mich weiter - warum?
ich kenne einige frauen, die darauf verzichten mussten weil der partner die
position vertrat - "brauch keine kinder mehr, hab schon". in so einem fall
wäre für mich deine eifersucht sehr gut nachvollziehbar.
das zweite - wie geht denn dein mann mit DIR um - vor den töchtern?
gibts da auch zärtlichkeiten?
was sagt dein mann denn zu deiner eifersucht - und versucht er dir zu
helfen, damit fertig zu werden?
alles gute,
Lil
Sam - 12/7/2010 um 16:55
Hallo Lil,
in meiner ersten Ehe war leider längere Zeit kein Platz für ein Kind
(verschiedene Gründe). Und als ein Kind hätte kommen können, haben wir uns
getrennt...
Und ja, mein jetziger Mann hatte seine Kinderplanung einfach schon
abgeschlossen und hätte sich auch zu alt für ein weiteres Baby gefühlt.
Mein Mann verhält sich mir gegenüber toll. Er versucht, mir zu helfen,
soweit wie möglich und tauscht auch mit mir den Kindern gegenüber
Zärlichkeiten aus. Natürlich in einem gewissen Rahmen. D.h. mal ein
schneller Kuss oder eine Umarmung oder Händchen halten beim Spazierengehen.
Ich denke, das ist für die beiden auch i.O. Er stößt halt an seine
Grenzen, mir zu helfen. Ich glaube, er kann das auch gar nicht leisten,
niemand an seiner Stelle könnte das.
Es ist schlimm für ihn, zu sehen, wie ich manchmal leide. Weil er es halt
auch gar nicht nachvollziehen kann, wie man auf die eigenen Kinder
eifersüchtig sein kann. Es tut mir auch wiederum weh, dass ich ihn so damit
belaste. Ich denke auch, bei Söhnen wäre es nicht so schlimm für mich.
Schwer zu erklären.
Ich kann die nächsten 1-2 Wochen wahrscheinlich leider nicht mehr
antworten, weil ich wohl kein Internet zur Verfügung habe.
Liebe Grüße,
Sam
Admina - 13/7/2010 um 14:08
Hallo,
ich finde, dass Eifersucht auf Kinder immer eine unrealistische Reaktion
ist, egal was in der Biographie oder in der Beziehung im Argen liegen mag,
sei es ein unerfüllter Kinderwunsch oder ein Partner, der im Beisein des
Kindes seine Partnerin nicht mit Zärtlichkeiten bedenkt.
Darum sehe ich es auch so, dass der Partner hier keine Hilfestellung
leisten kann, weil es sich um keine "normalen" sondern um unangemessene
Gefühlsregungen handelt, wenn man die Kinder bzw. Töchter des Partners als
Konkurrenz für die eigene Beziehung betrachtet und als Rivalinnen
wahrnimmt. Allerdings sehe ich es nicht so, dass niemand helfen kann. Eine
Verhaltenstherapie könnte viel vom Leidensdruck nehmen, wie ich mir
vorstellen könnte.
LG
Susa
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